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Wohlgemerkt,
damit meine ich nicht den Sieger dieses Turniers. Im Gegenteil, ich
glaube, dass sich mit Italien die beste europäische Mannschaft
durchgesetzt hat. Ich meine auch nicht das überraschend gute Abschneiden
der deutschen Mannschaft, mit diesen fast schon hysterischen Fans im
Rücken kann man schon mal über sich hinauswachsen.
Nein,
als Lotterie bezeichne ich die Chance, zu WM Tickets zu kommen. Einige
Freunde und ich bestellten via Internet an die 100 Tickets für
die verschiedensten Spiele, hauptsächlich jedoch ab dem 1/4 Finale.
Letzten Endes bekamen wir alle zusammen sage und schreibe 4 Tickets
für ein Vorrundenspiel. entsprechend groß war die Enttäuschung.
Wir hatten ja zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung, welches Match wir sehen
würden.
Lotterie
hin oder her, zusammen mit Thomas (dem glücklichen Besteller),
Paul und Tommi (meinem Sohn) begab ich mich am 16. Juni AUF SCHALKE,
um "unser" WM-Match zu sehen.
Rechtzeitig
hatten wir uns vorab noch mit den entsprechenden Fanartikeln ausgerüstet.
Über Nacht (bzw. Auslosung) waren wir urplötzlich Argentinienfans
geworden. Nichts gegen Serbien und Montenegro, aber ihr könnt euch
nicht vorstellen, wie schwer es ist, in Wien serbische WM-Shirts zu
bekommen !
16.Juni
2006
Wie
immer an solchen Tagen heißt es zeitig aufstehen, alle einsammeln
(Paul steigt am Schwedenplatz zu) und ab auf den Flughafen. Das erste
Mal ein Flug mit Air Berlin, ein eigener Terminal zum Einchecken und
nur einen Internetausdruck in der Hand, wir sind gespannt, ob das funktioniert.
Aber siehe da, wir bekommen ohne Probleme unsere Plätze, sogar
nebeneinander, während des Fluges ein gratis Sandwich (wie kann
sich das Air Berlin leisten, wo doch sogar die AUA dafür Geld verlangen
muß ?), und fast pünktlich kommen wir in Düsseldorf
an. Wir wollen unser Gepäck noch schnell ins Hotel bringen, so
fahren wir mit dem Zug ins Zentrum. Ohne Probleme finden wir unser Hotel,
lagern unsere Utensilien und begeben uns wieder retour Richtung Bahnhof,
um einen Zug nach Gelsenkirchen zu nehmen. Mensch braucht Glück,
wir sitzen tatsächlich im richtigen Zug, allerdings nur, weil der
von uns Gewählte aufgrund von Bauarbeiten über Gelsenkirchen
umgeleitet werden muß. Die ersten Fachsimpeleien mit Fans, generell
hat man den Eindruck, dass es in diesen Tagen in Deutschland kein anderes
Thema als Fußball WM gibt. Übrigens, wer mal deutsche Bahn
gefahren ist, der regt sich garantiert nicht mehr über Flugverspätungen
auf. Wir benutzten in diesen 2 Tagen keinen einzigen pünktlichen
Zug. Wir kommen trotzdem in Gelsenkirchen an. Am Bahnhof hauptsächlich
Fußballfans, nicht nur serbische und argentinische Fans, auch
jede Menge in deutschen Shirts und mit deutschen Fahnen, das läßt
erahnen, welche Euphorie die deutsche Mannschaft im eigenen Land ausgelöst
hat. Mit einer Einfachgarnitur einer Straßenbahn fahren wir dann
weiter bis zum Stadion. Für dieses Stück benötigen wir
ca. 1 Stunde. Wir können uns schon vorstellen, wie das erst bei
der Heimfahrt funktionieren wird. Ca. 2 Stunden vor Spielbeginn sind
wir endlich auf Schalke. Das Stadion sieht toll aus, ist ja immerhin
eine der modernsten Fußballarenen Europas. Die Stimmung unter
den Fans ist wie immer bei solchen Spielen eher freundschaftlich. Man
hat das Gefühl, alle sind froh, dabeisein zu dürfen. Ein wenig
enttäuscht sind wir von der Auswahl an Fanartikeln. Es gibt kaum
eine Auswahl, entweder man kauft eines der 3 Einheitsshirts (WM Germany)
oder eine Irokesenfrisur in den Farben von Argentinien oder Serbien
und Montenegro. Tommi will unbedingt die Frisur haben und schon haben
wir ein Thema, um Susi, meine Frau, nervös zu machen. Via MMS schicken
wir eben Susi ein Foto mit Tommis neuer Frisur, ein paar Andeutungen
am Telefon und Susi glaubt doch tatsächlich, ich hätte Tommi
solch eine Frisur verpassen lassen. Letzten Endes mußte ich es
dann aber doch aufklären, ich hätte mich sonst nicht nach
Hause gewagt. Beim Eintritt ins Stadion werden wir zwar kontrolliert,
aber um einen Reisepass fragt uns kein Mensch. Wir finden unsere Plätze
hinter dem Tor, leider aber neben der Fankurve der Serben. Die machen
zwar anfangs einen Höllenlärm, nach dem 2:0 wird es dann aber
doch deutlich ruhiger. Apropos, wer es noch nicht weiß, wir sehen
das Match ARG:SCG. Falls es jemanden interessiert, was SCG bedeutet,
entweder Google befragen oder einfach hier nachlesen: SCG steht für
Srbija i Crna Gora. Wegen der besseren Fernsehaufnahmen
wird das Dach der Schalkearena geschlossen. Unglaublich, wie eng dieses
Stadion wirkt. Durch das Dach wird der Lärm der Fans noch verstärkt.
Das Spiel selbst entwickelt sich zu einem Trainingsspiel der Argentinier.
Die Serben tun mir fast schon leid, so überlegen und glücklich
spielen die Argentinier. Nebenbei versuche ich von einer netten deutschen
Dame mit Argentinienflagge, die Fahne abzubetteln, aber letztendlich
reicht mein Charme dann doch nicht aus. Nach dem 4:0 für Argentinien
verläßt sie etwas frustriert das Stadion (komisch, ich dachte,
die hält auch zu ARG). Viel zu schnell vergeht das Spiel, wir genießen
noch ein wenig die Freude der argentinischen Fans, bevor wir das Stadion
wieder verlassen. Draußen versucht das argentinische Fernsehen,
mich zu einer Stellungnahme über das Spiel zu bewegen, leider reichen
meine Spanischkenntnisse dann doch nicht aus und mein Gestammel wird
als Ablehnung interpretiert, was auch so gemeint war. Wir versuchen,
Richtung Gelsenkirchen zu kommen, aber leider fahren immer noch diese
veralteten Einfachgarnituren der Straßenbahn, und das noch in
15 Minuten Intervallen. Tolles Stadion, schlechte Infrastruktur, scheinbar
hat da das Geld der Gemeinde nicht gereicht. So gehen wir eben zu Fuß,
wollen uns bei einem Fantreff das Match Niederlande gegen Elfenbeinküste
anschauen, allerdings ist der Platz bereits wegen Überfüllung
geschlossen. So gehen wir weiter Richtung Zentrum, erwischen dann einen
Bus und anschließend einen Zug Richtung Düsseldorf, den kriegen
wir aber nur, weil er wieder mal 20 Minuten Verspätung hat. Endlich
in DÜDO gehen wir in eine Brauerei was Deftiges essen. Nebenbei
sehen wir noch das Match Mexico gegen Angola, wir sitzen mit netten
älteren Herren zusammen bei Tisch. Bemerkenswert ist vor allem
die Freundin der Tochter des einen älteren Herrn. Aber natürlich
sind wir fast ausschließlich auf das Spiel konzentriert. Außerdem
sind wir mittlerweile hundemüde, und anstelle an der längsten
Theke der Welt noch ein Bier zu trinken, wanken wir müde und zufrieden
zu unserem Hotel. Tommi schläft schon fast während des Zähneputzens
ein, ich knapp davor.
17.Juni
2006
So
gegen 9 Uhr bewegen wir uns (Tommi und ich) Richtung Frühstück.
Unsere Freunde sind noch nicht da, vielleicht waren sie doch noch unterwegs
letzte Nacht. Um 10 sind wir dann aber doch alle versammelt, frühstücken
fertig, nehmen unser Gepäck, das hat glücklicherweise in einem
Rucksack Platz, und begeben uns in Richtung Zentrum der Stadt. Wir finden
ein paar Einkaufsstraßen, das Kneipenviertel, den Rhein und zu
guter Letzt noch den neuen Medienhafen. Auf der kleinen Insel finden
wir eine nette Bar, essen Gegrilltes, trinken Bier und Eistee und sehen
uns das Spiel der Portugiesen gegen Iran an. Diese 2 Tage kommen uns
wie eine ganze Woche vor, wir haben echt viel erlebt in dieser kurzen
Zeit. Glücklicherweise hat der Zug zum Flughafen wieder Verspätung
(sonst hätten wir ihn nicht erwischt), allerdings stellt sich heraus,
dass es diesmal doch der falsche Zug ist, dafür kann die deutsche
Bahn aber nichts, wir hätten einfach besser schauen müssen.
Irgendwie kommen wir dann aber doch zum Flughafen, checken spät,
aber rechtzeitig ein, wir bekommen wieder einen Sandwich bei Air Berlin
und fast pünktlich landen wir in Wien.
Deutschland
hat eine tolle Weltmeisterschaft ausgerichtet, mit dem richtigen Weltmeister,
mit schönen Spielen, begeisterten Fans und vor allem mit vollen
Stadien. Österreich und Schweiz muß sich anstrengen, um eine
ähnliche tolle Europameisterschaft zu veranstalten. Bin nur gespannt,
wie da die Chance auf Karten sein wird (besser als 4 % wäre schon
OK).
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